Gruselgalerie

An dieser Stelle zeigen gutsituierte Stadträte und gut ausgebildete und hochdotierte Verwaltungsfachkräfte als souveräne Führungskräfte mit Vorbildfunktion ihr völlig fehlendes Stilgefühl und ihre völlig fehlende, persönliche Geschmacksbildung. Für derartige stilistische und formale Untaten hätte uns schon alleine unser Kunsterzieher - der Zeichenlehrer - auf dem Gymnasium ein paar schallende Ohrfeigen verpaßt. Die Herrschaften, die diesen Schandfleck zu verantworten haben, sollen sich ihr Lehrgeld zurückgeben lassen.

Düsseldorf:

Ein besonders eindrucksvolles, trauriges Beispiel für diesen Unfug bieten die Aufnahmen der Lampenmasten in der Düsseldorfer Altstadt und ihrer näheren Umgebung.

 
 
 
 
Düsseldoofs Visitenkarte am Haupteingang zur weltbekannten Altstadt (siehe oben und links): Verrostet - schief - heruntergekommen -
verdreckt - aber zeitgemäß, nämlich elektrifiziert und mit verbogenem Hinweisschild verziert!
 

Neuss:

Und selbst an der fast musealen Gaslichtanlage auf dem Marktplatz in Neuss können es die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht lassen, die Kandelaber als Träger von Verkehrsschildern zu verunstalten.

Lennep:


Dieses Foto eines Ortskerns zeigt den bisher häßlichsten und absolut abstoßenden Eindruck, den ich bisher fotografierte. Zwei ehem. Gaslampen auf historischen Masten sollen hier die “städt. Bedürfnisanstalt” flankieren und beleuchten und offenbar „verschönern“. Das ist der historische Ortskern von Lennep!

Hier sehen wir offenbar eine der historischen Hauptstraßen des Orts. Vermutlich wurden die historischen Gaslampen durch die installierten modernen Elektroleuchten ersetzt; auch hier ein unverzeihlicher Stilbruch.
 
 
 

Gräfrath:

Na ja, und hier sehen wir die unvermeidlichen Verkehrsschilder an den historischen Lampenmasten, wie inzwischen schon fast überall üblich; so wird die ursprüngliche Absicht, die stilvolle und ausdrucksstarke Einheit der historischen Beleuchtung zu erhalten, erfolgreich und konsequent konterkariert. Das ist Solingen-Gräfrath!

 
 
 
 

Essen:


Mit Hinweisschild "verziehrter" Gaslampenmast in der ansonsten wunderschönen Sammlung antiker Gaslampen in der Essener Innenstadt.
 

Monheim am Rhein
IN MEMORIAM:

Die Stadt Monheim am Rhein liegt mit ihren 43.000 Einwohnern südlich von Düsseldorf und hat eine 850- jährige Geschichte. Ein Wahrzeichen der Stadtgeschichte ist der 26 Meter hohe und um 1400 erbaute "Schelmenturm" als Teil der ehemaligen Befestigungsanlagen.

Im "Schelmenturm" werden Konzerte gespielt und Kunst ausgestellt. Beliebt sind Trauungen und andere Veranstaltungen in der "guten Stube" der Stadt.

Nach der gründlichen Renovierung des Turms Anfang der 70er Jahre wurde den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt in den 80er Jahren eine prunkvolle Gaslaterne gestiftet.

Es sollte ein besonders schöner Gas-Kandelaber sein und sowohl die mittelalterliche Geschichte, als auch die Bedeutung der Industrialisierung der Stadt unterstreichen.

Der kleine Platz mit knorrigen Bäumen vor dem Stadttor in rheinischer Backsteinbauweise war wie geschaffen.

Nun stand sie da, die Gaslaterne. Mit einer Widmung in Messing und einer Versorgungsgarantie des örtlichen Energielieferanten. Das goldgelbe Gaslicht strahlte und warf gelegentlich Schatten von nächtlichen Flaneuren ins Halbdunkel des Tordurchgangs.

Etwa Mitte letzten Jahres stellten wir fest, dass die Gasbrenner abgeschaltet und die Leuchten insgesamt ungepflegt wirkten. Wir sprachen bei der Stadtverwaltung vor und organisierten eine Gesprächsrunde mit dem Energieversorger www.mega-monheim.de. Gemeinsam formulierte man das Ziel einer Reinigung, einer möglichen technischen Aufarbeitung und baldigen Wiederinbetriebnahme der Gasleuchte. Man freute sich sichtlich über das Engagement der Vereinsmitglieder "Progaslicht".

Mit Bedauern müssen wir nun feststellen, dass es sich wahrscheinlich um Lippenbekenntnisse der örtlichen Verantwortlichen handelte: Der Gaskandelaber wurde sofort nach Bekanntwerden unseres Hilfsangebots von der Stadtverwaltung abgebaut und entfernt. An der ursprünglichen Stelle steht statt des stattlichen Gaskandelabers ein formschöner Trog aus Waschbeton im Stil der späten 70er Jahre.

"Megastark am Rhein" und „wir können Erdgas wärmstens empfehlen“ lauten die Werbesprüche der MEGA. Für unsere Gaslaterne gilt dies offensichtlich nicht.

Wir stellen uns die Frage was mit dem Geschenk an die Bürgerinnen und Bürger passiert sein soll. Kann es im Sinne der damaligen Stifter mit rechten Dingen zugehen?

„Aus den Augen – aus dem Sinn“ oder was glauben die Verantwortlichen?

Selbst wenn man sich seitens der Gasfachleute nicht durch uns Gaslichtamateure unter die Arme greifen lassen wollte, so hätten die Stadtwerke Düsseldorf sicherlich mit Sach- und Fachwissen helfen können.

Immerhin betreiben die Stadtwerke Düsseldorf eine Anzahl von fast 16.000 Gasleuchten in der benachbarten Landeshauptstadt und halten 49,9% des Geschäftsanteils der MEGA.

Für Rückfragen oder Bildmaterial stehen wir gerne zur Verfügung

Text: Andreas Meßollen
Fotos: Rolf Hölterhoff